Lieferanten in China prüfen: Checkliste
Die meisten Verluste beim Einkauf in China entstehen vor der ersten Bestellung: Die Anzahlung geht an eine Firma, die es so nicht gibt, oder an ein Konto, das nicht zum Lieferanten gehört. Mit diesen sieben Schritten prüfen Sie einen Lieferanten, bevor Geld fliesst.
1. Business License prüfen
Verlangen Sie eine Kopie der Business License. Darauf stehen der Firmenname und der Unified Social Credit Code (USCC, 18 Zeichen). Gleichen Sie beides mit dem offiziellen chinesischen Firmenregister (National Enterprise Credit Information Publicity System) ab. Achten Sie auf Gründungsdatum, Geschäftsumfang und Status der Firma. Ein Scan allein beweist nichts, er lässt sich fälschen.
2. Fabrik oder Händler klären
Fragen Sie direkt, ob der Anbieter selbst produziert. Der Geschäftsumfang auf der Lizenz gibt einen Hinweis: «Produktion» spricht für eine Fabrik, «Handel» für einen Händler. Ein Händler ist nicht automatisch schlecht, aber Preis und Verantwortung für Qualität liegen dann bei einer weiteren Stufe. Bitten Sie um Fotos oder einen Videocall aus der Produktion.
3. Zahlungsempfänger abgleichen
Das Konto muss auf den Firmennamen lauten, der auf der Business License steht. Zahlungen an Privatkonten oder an eine andere Firma sind ein klares Warnsignal. Ändert der Lieferant später die Bankdaten, bestätigen Sie das telefonisch oder per Video, nicht per E-Mail. Gefälschte Änderungsmails sind eine verbreitete Betrugsmasche.
4. Zertifikate beim Labor bestätigen
Welche Nachweise nötig sind, hängt von Produkt und Zielmarkt ab, etwa CE, RoHS, REACH oder FCC. Ein PDF vom Lieferanten reicht nicht. Lassen Sie den Testbericht beim ausstellenden Labor bestätigen, anhand von Berichtsnummer, Produktmodell und Datum. Prüfen Sie, ob der Bericht wirklich zum bestellten Modell gehört und nicht zu einem ähnlichen Produkt.
5. Muster bestellen und gegen die Spezifikation prüfen
Bestellen Sie vor der Serie Muster und prüfen Sie sie gegen Ihre schriftliche Spezifikation: Material, Masse, Beschriftung, Verpackung, Funktion. Halten Sie die Freigabe schriftlich fest. Das freigegebene Muster ist später die Referenz für die Inspektion.
6. Zahlungsplan mit Sicherheit
Ein üblicher Plan ist 30 % Anzahlung und 70 % nach bestandener Inspektion vor dem Versand. Zahlen Sie nie die volle Summe im Voraus. Der Importeur sind Sie, die Zahlung geht direkt an die Fabrik. Bei FOB-Lieferung liegt die Verladung im Hafen beim Lieferanten, Transport und Verzollung übernimmt Ihr Spediteur.
7. Inspektion vor dem Versand
Eine unabhängige Inspektionsfirma prüft die fertige Ware vor der Verladung, nach einem Stichprobenplan und gegen das freigegebene Muster. Erst bei bestandener Inspektion zahlen Sie den Rest. Fällt die Ware durch, verhandeln Sie Nachbesserung oder Ersatz, bevor die Ware das Werk verlässt.
Was Plattform-Abzeichen nicht leisten
Abzeichen wie «Gold Supplier» oder «Verified» auf Handelsplattformen zeigen, dass eine Firma Gebühren bezahlt und Dokumente eingereicht hat. Sie ersetzen weder die Prüfung der Lizenz noch Muster oder Inspektion.
Hilfe bei der Prüfung
Ich führe diese Prüfung im Auftrag von Käufern durch und koordiniere Muster und Inspektion. Die Ware bezahlen Sie direkt an die Fabrik, ich halte kein Kundengeld. Ich bin kein Prüflabor und gebe keine Rechtsberatung. Ob ein Produkt für Ihren Markt zusätzliche Nachweise braucht, klären Sie bei Bedarf mit einer Fachstelle.
Stand: Oktober 2026